Archiv für August, 2008

Update bei den Marktplatzstatistiken: Durchschnittszinsen

Freitag, 22. August 2008

Wir haben heute den Bezugszeitraum der Durchschnittszinsen von 60 Tagen auf 120 Tagen erhöht. Hintergrund ist eine Varianz-Analyse, die gezeigt hat, dass in mehreren Bonitätsklassen der Durchschnitt auf nur wenigen unterschiedlichen Kreditprojekten basiert. Damit spielen einzelne Ausreisser eine große Rolle, so dass die Durchschnittszinsen sich oftmals „sprunghaft“ entwickeln.

 

Durch Erhöhung des Bezugszeitraums haben wir die Aussagekraft der angezeigten Zinsen erhöhen können. Der Effekt zeigt sich an folgender Grafik.

60 Tage

 

120 Tage

Viele Grüsse,

Eckart Vierkant, Geschäftsführer smava GmbH

Verleiten Pools zu mehr Risiko?

Montag, 18. August 2008

Oft hören wir in Telefongesprächen mit Anlegern die Frage, ob die bei smava vorhandenen Pools Anleger zu höheren Risiken im  Portfolio ermutigen, „weil diese ja abgesichert seien?“ Dahinter steckt folgender Gedanke: Anleger gehen höhere Risiken ein, weil der Pool sie absichert – und erhalten dennoch hohe Zinsen.

 

Um diese Frage zu beurteilen, werfen wir einen Blick auf die Funktionsweise der Pools. Über die Pools sichern sich die Anleger ihren Kapitaleinsatz in einer Bonitätsklasse gegenseitig ab. Wie? Indem die Ausfälle von allen Anlegern eines Pools gemeinsam getragen werden. Wichtig: das betrifft nur den Tilgungsanteil einer Rate. Für den Zins einer Rate ist jeder Anleger allein verantwortlich, d.h. man erhält den Zins einer Rate solange „mein“ Kreditnehmer die Raten zahlt.

 

Dies hat zwei Effekte:

 

1. Pools sichern jeden einzelnen Anleger gegen einen Totalverlust seines Investments ab. Und das bereits wirkungsvoll, auch wenn er nur 1 Kreditprojekt finanziert.
(Anmerkung: gilt auch bereits für die noch recht „frischen“ 60-Monats-Pools. Selbst bei den  zur Zeit noch geringen Volumina besteht – die Steigerungsraten der letzten 15 Monate auch in der Zukunft unterstellt – ein wirksamer Schutz. Denn über die Laufzeit eines Kredites hängt der Großteil der Zahlungen nicht an der Pool-Performance der ersten Monate, in denen die Pools noch klein sind, sondern an der Pool-Performance über die gesamte Laufzeit von 60 Monaten, also zu Zeiten, in denen die Streuung volle Wirkung entfaltet (sagen wir in 4 von 5 Jahren).

 

2. Pools machen das Basisrisiko eines Kreditprojekts kalkulierbar und damit bepreisbar – über den Zusammenhang Bonitätsklasse - Ausfallrisiko - Renditeaufschlag.

 

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass das Pool-Risiko für einen einzelnen Anleger als „gegeben“ angesehen werden kann. Warum? Weil die Pool-Performance im wesentlichen von dem Basisrisiko der im Pool vorhandenen Kreditnehmer abhängt – und der Summe aller Anlageentscheidungen. Eine einzelne Anlageentscheidung  hat wenig Einfluss, sprich: eine gute oder eine schlechte Entscheidung „gewinnt oder verliert kein Spiel“. Ein Zahlenbeispiel verdeutlicht dies: die Finanzierung eines einzelnen Kreditvertrages mit €250 macht nur einen geringen Anteil am gesamten Pool-Volumen aus. Wenn zur Zeit jemand in ein Kreditprojekt im mittelgroßen Pool E36 (80 Verträge, €429.750 Kreditvolumen) investiert, hat seine Anlage einen Volumenanteil von unter 0,06%.

 

Die „Richtigkeit“ der Summe aller Anlageentscheidungen kann folgerichtig nur dann vorhanden sein, wenn die Anreizstruktur für Anleger funktioniert. Wie sieht diese also aus? Zum Verständnis der Anreizstruktur nehmen wir zwei unterschiedliche Anleger-Typen: Hans und Klaus.

 

Hans denkt sich: „Für mich ist das Rendite-Risiko-Profil eines einzelnen Kreditprojektes entscheidend, in das ich investiere. Gut, dass das Basisrisiko über die Pools abgesichert ist. Aber wenn der Kreditnehmer ausfällt, kriege ich keine Zinsen mehr! Deshalb akzeptiere ich mit 11% auch einen Zins, der etwas unter dem Durchschnitt liegt, wenn ich dafür ein angemessenes Risiko erhalte.“

 

Klaus überlegt: „Über den Pool tragen alle anderen meine Risiken. Deswegen konzentriere ich mich darauf, in der Bonität E die Kredite zu finanzieren, die das höchste Risiko haben, denn dort kann ich auch höhere Zinsen verlangen. Wenn es schief geht, bin ich ja abgesichert.“

 

Die zentrale Frage ist nun, wer fährt besser? Zur Beurteilung ziehen wir eine Zahlungsquote des Pool E36 in Höhe von 95% heran. Für beide gilt: Egal, für welches Kreditprojekt sie sich entscheiden – auf den Pool und damit die Rendite der anderen Anleger hat das kaum Einfluss. Für ihre eigene Rendite macht es aber einen großen Unterschied. Wie das, wo der Zinsanteil doch „nur“ den kleineren Teil der Gesamtzahlungen ausmacht? Durch die Pools ist zwar sichergestellt, dass sie ihr Geld nicht vollständig verlieren können. Aber: ihre Entscheidung ist dafür verantwortlich, ob sie 5% verlieren oder eine Rendite von knapp 10% pro Jahr gewinnen!

 

Ein rational abwägender Anleger wie Hans wird das Risiko seines Investments berücksichtigen. Er wird nach seinen besten Möglichkeiten versuchen, eines der 95% Kreditprojekte auszuwählen, bei denen er von der ersten bis zur letzten Rate alle Zinsen von seinem Kreditnehmer erhält. Er wird zu vermeiden suchen, eines der 5% der Kreditprojekte zu finanzieren, bei denen er nur wenige bis gar keine Zinsen erhält. Denn dann würde er nur eine Rendite bekommen, die nur knapp über 0% oder gar darunter liegt.

 

Für einen risikofreudigen Anleger wie Klaus gilt folgendes: Er hat das höchste Risiko gesucht, und einen hohen Zinssatz dafür bekommen. Und das höhere Risiko kann sich auch schnell bemerkbar machen. Nehmen wir das Beispiel, dass der Kreditnehmer also ausfällt. Was passiert?

  1. Die Zahlungsquote des Pools wird belastet, aber nur in einem geringem Ausmass. Dadurch sinkt die Rendite aller anderen Anleger, aber eben gering.
  2. Jedoch verliert Klaus - je nach Ausfallzeitpunkt seines Kreditnehmers - seine Rendite. Im schlechtesten Fall kann er sogar zusätzlich rund 5% seines Kapitals verlieren.

Das Beispiel zeigt: Ein reines Optimieren auf die Zinshöhe – wie bei Klaus - durch bewusste Inkaufnahme eines besonders hohen Risikos kann zwar eine individuelle Anlage-Strategie sein. Aber: der Anleger kann „sein Renditerisiko“ nicht auf den Pool abwälzen. Im Gegenteil: das Rendite-Risiko eines finanzierten Kreditprojektes trägt Klaus immer selbst.

 

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Annahme, dass Anleger-Pools durch ihre Anreizstruktur die risikoreichen Anleger begünstigen und für viele „hochrisikante Kredite in einem Pool sorgen (sogenannte „adverse Selektion“), trifft nicht zu. Denn die Anreizstruktur, unnötige Risiken innerhalb einer Bonitätsklasse zu vermeiden, gilt mit (und auch ohne) Pools! Vereinfacht ausgedrückt: Auch mit den Pools ist jeder seines eigenen Glückes Schmied.

 

Ich freue mich über Kommentare und auf eine spannende Diskussion!

 

Eckart Vierkant, Mitgründer und Geschäftsführer smava GmbH

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Dienstag, 5. August 2008

Poweranleger Schnucki verrät im smava-Blog, welche Bietstrategie seinen Investitionen zu Grunde liegt und gibt Tipps für die Optimierung der Geldanlage:

Ich bin Anleger bei smava und schreibe über Bietstrategien für Anleger (”best practice”), basierend auf meiner eigenen Erfahrung.

Neuigkeiten:
Über neue Projekte erfahre ich durch den RSS Feed und per Mail über den Anlageassistenten. Letzterer schickt ein e-mail, wenn ein Projekt mit gewünschten Eigenschaften (Bonität, Zinssatz) entdeckt wird.

Zinswunsch:
Eine Geldanlage bei smava dauert 36 oder 60 Monate, jedoch erhält man nach der Hälfte der Zeit knapp die Hälfte des Kapitals zurück. Vergleichsbasis wären also Geldanlagen (Festgeld bzw. Sparbriefe) von 1 1/2 Jahren und 2 1/2 Jahren. Da es nur runde Zeiten gibt, kann auch der Durchschnitt von 1&2 bzw. 2&3 Jahren genommen werden. Ich selbst richte mich nach den Zinsen für Tagesgeld, was nicht ganz korrekt ist, aber dem Ideal trotzdem nahe kommt. Da smava ein höheres Risiko hat, strebe ich einen Zinssatz von 1% darüber an. Derzeit gibt es 4.5% bei der Norisbank und 4.75% bei der ICICI-Bank, bei 1-Jahresfestgeld gibt es sogar 5.3%. Um den gewünschten Nominalzinssatz pro Bonität zu erhalten, probiert man mit dem Renditerechner bis der gewünschte Zinssatz erreicht ist. Ggf. muss die eigene steuerliche Lage berücksichtigt werden, da unklar ist, ob Poolabzüge steuerlich geltend gemacht werden können.

Streuen:
Man sollte möglich nicht mehr als die Mindestanlage (250 Euro) pro Projekt einsetzen, um eine starke Streuung zu erreichen. So wird das Risiko auf viele Schultern verteilt.

Anzahl:
Aufgrund von zwei Ausfällen vermeide ich inzwischen, in Zweit-Projekte zu investieren, da es sich um eine Schuldenspirale handeln könnte. Grundsätzlich ist das Risiko bei jedem neuen Projekt höher.

Alter:
Junge Leute sind statistisch besonders oft leichtfertig verschuldet; Ältere sind zwar weise und zuverlässig, haben aber leider eine niedrigere Lebenserwartung. Ausnahmen sind möglich: wer mit 23 schon stellvertretender Filialleiter ist, der ist finanziell reifer, als jemand der mit 25 von zuhause auszieht.

Beschreibung:
Sie sollte möglichst umfassend sein, und nicht lediglich “Wohnung renovieren” oder „Dispo ausgleichen“. Eine umfassende Beschreibung zeigt, dass sich der Kreditnehmer mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

Leistungsfähigkeit:
Die Wirtschaft kühlt sich ab, und manche Branchen werden darunter leiden, andere profitieren. Ein kleiner Transportunternehmer wird es schwer haben, gestiegene Sprit-Preise an seine Kunden weiterzugeben. Eine auf Arbeitsrecht spezialisierte Anwaltskanzlei wird dagegen viele Aufträge bekommen. Um allgemein informiert zu sein, lese ich deshalb täglich den Wirtschaftsteil von Welt Online

Bonität:
Manche Bonitäten haben sich besser entwickelt als von der SCHUFA prognostiziert, andere schlechter. Im 36er-Bereich ist die Zahlungsmoral bei den Bonitäten A, B und F derzeit etwas schlechter als erwartet, bei C, D, E, G und H ist sie jedoch deutlich besser als erwartet; die eigenen Zinswunschvorstellungen sollten also entsprechend angepasst werden, falls es in den Durchschnittszinsen nicht ohnehin schon geschehen ist.

KDF:
Ich habe bisher Projekte mit KDF 4 ignoriert, aufgrund der Annahme dass diese Projekte ein höheres Risiko bringen. Beim Analysieren der bisherigen Ausfälle für diesen Beitrag stellte sich allerdings heraus, dass KDF 4 bisher kein höheres Risiko war - im Gegenteil: Die Anzahl von Projekten mit KDF 3 und 4 sind in etwa gleich (siehe Wiseclerk), die Ausfälle bei KDF 3 (12) sind jedoch erstaunlicherweise derzeit drei mal so hoch wie die bei KDF 4 (4).

Zeitpunkt:
Sinnvollerweise bietet man nicht zu Beginn, sondern gegen Ende. Die Vorteile des Wartens:

  • Der Kreditnehmer könnte einen noch höheren Zinssatz bieten
  • Es könnte sich ein noch besseres Projekt finden
  • Viele Mitanleger haben geboten, also das Projekt für gut befunden
  • Das Projekt ist vielleicht im Forum diskutiert worden

Der Anlageassistent unterstützt dieses Verhalten: Man kann dort einstellen, dass man erst benachrichtigt wird, wenn 25, 50 oder 75% erreicht sind. Wenn ein “lukratives” Projekt jedoch nur einen kleinen Betrag benötigt (bis 3000 Euro), lohnt es sich nicht, zu warten, da sollte man gleich zuschlagen, da „gute“ Projekte oft sehr schnell „voll“ werden.

Selbstkritik:
Aus Ausfällen sollte man lernen. Wurden, rückwirkend betrachtet, Warnzeichen übersehen? Man sollte auch andere Kreditgeber beobachten, ggf. die eigene Strategie anpassen. Mein eigenes Portfolio zeigt, dass ich drei Ausfälle weniger hätte, wenn ich meine heutigen Ratschläge schon früher gekannt hätte.

Vorrat:
Es reicht normalerweise aus, 500 Euro vorzuhalten. Mehr ist nur notwendig, wenn man konkrete Projekte sieht.

Nerven:
Man sollte nicht unter „Investitionszwang“ stehen. Früher oder später finden sich wieder gute Projekte. Auch sollte man nach Mitteilung der Poolquoten nicht in Depressionen verfallen: ein Grossteil der Spätzahlungen werden im Laufe des Monats wieder ausgeglichen.

Gemeinschaft:
Es lohnt sich, im Forum mitzulesen, um zu sehen wie andere Anleger denken und handeln.

Das alles liest sich sehr lang. Meine Entscheidungsfindung für ein konkretes Projekt dauert jedoch nur ca. 2 Minuten: Steckbrief lesen, dann Klick auf das Profil für weitere Informationen, insbesondere ob es weitere Projekte gibt.

Viele Grüße

Schnucki

Ihre geheimen Wünsche

Sonntag, 3. August 2008

Liebe smava-Community,

auch wenn es oberflächlich betrachtet einfach aussieht: Die Software von smava ist verhältnismäßig komplex. Alle Transaktionen (wie z.B. Gebote oder Zahlungsvorgänge) müssen korrekt in das System eingesteuert und schnell abgearbeitet werden. Da mit diesen Vorgängen Geldgeschäfte abgewickelt werden, ist “Sicherheit” die zentrale Komponente. Zudem legen wir hohen Wert auf eine gute Nutzererfahrung. Insgesamt haben wir seit dem Start im März 2007 bereits eine Menge an Verbesserungen vorgenommen - vor und “hinter den Kulissen”. Das betrifft Produktfunktionalitäten für Anleger, Kreditnehmer als auch für den gesamten Marktplatz. Aber wir sind noch lange nicht dort, wo wir hinwollen: ein Marktplatz für Geld, auf dem alle Teilnehmer Geldgeschäfte sicher und einfach durchführen können.

Von Ihnen erhalten wir ja im Forum bereits regelmäßig viele Anregungen, aber wir möchten mit diesem Blogbeitrag noch einmal gesondert zum Einsenden von Wünschen aufrufen. Was fehlt ihnen noch bei smava? Welche Punkte könnte man verbessern, um Ihnen die Kreditaufnahme zu erleichtern? Was können wir Ihnen noch an zusätzlichen Informationen über Kreditnehmer bieten, damit Sie eine gut fundierte Entscheidung über Ihre Geldanlage treffen können?

Wir freuen uns über jeden Ratschlag und jede Kritik, entweder in den Blog-Kommentaren oder direkt an support(a)smava.de.

Viele Grüße und vielen Dank

Alexander Artopé
(Geschäftsführer)