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eBay und smava Teil 2 - Jörg Rheinboldt und die Herausforderung smava

Donnerstag, 24. Juli 2008

Kredite aufzunehmen und zu vergeben ist berechenbar und wird schon lange gemacht. Es gibt viele Hilfsmittel, das Risikopotential und die Ertragschance zu berechnen. Die Idee von smava ist, diese Werkzeuge den Marktplatzteilnehmern zur Verfügung zu stellen. Wir haben die Wertschöpfungsketten rund um Darlehen analysiert und sie dann aufgebrochen. Die notwendigen Stufen existieren weiter, aber einige Stufen erschienen uns nicht notwendig (das führt aus Darlehensnehmersicht dazu, dass Geld bei smava tendenziell preiswerter sein kann als bei klassischen Darlehen von Banken) und andere Stufen waren uns nicht transparent genug.

Im Unterschied zu eBay, wo wir viele Sicherheitsmechanismen erfunden und implementiert haben, gibt es sehr viele bewährte Werkzeuge, das Risiko bei Darlehen zu berechnen und damit als sehr zuverlässigen Entscheidungsfaktor zu nutzen. Bei eBay sind viele der Werkzeuge für die Marktplatzteilnehmer optional: Jeder kann sich seinen Sicherheits- und Komfortlevel selbst konfigurieren. Bei smava geht es um größere Beträge und vor allem dauert das Verhältnis der Handelspartner länger. Daher haben wir uns entschieden, eine “Gatekeeper” Rolle einzunehmen: Wir regeln, wer auf den Marktplatz darf, und in welchem Rahmen sich jeder einzelne Marktplatzteilnehmer bewegen darf. Die Werkzeuge, die wir dafür nutzen, müssen wir nicht neu erfinden: Sie stehen schon lange zur Verfügung. Wir nutzen sie nur ein wenig anders als die Banken: Wir sind in alle Richtungen transparenter und versuchen ein System zu etablieren, bei dem sich alle auf Augenhöhe gegenüber stehen. Dabei sind wir so transparent wie möglich und schützen dabei alle Marktplatzteilnehmer so weit wie möglich.

Wir haben dann beschlossen, dass wir das Geschäftsmodell auf unserem Marktplatz ganz transparent machen: Wir haben ein Komissionsmodell, bei dem wir unsere Dienstleistung in Abhängigkeit von der Höhe der Transaktion berechnen. Das Ertragspotential aus dem Management des Risikos gehört den Anbietern. Durch die von uns zur Verfügung gestellten Werkzeuge und Dienstleistungen haben wir in den letzten Monaten gezeigt, dass diese “Arbeitsteilung” für alle vorteilhaft und erfolgreich ist. Wir konzentrieren uns darauf einen liquiden, transparenten und sicheren Marktplatz bereit zu stellen und die Kunden von smava machen gute Geschäfte miteinander. Jeder Marktplatzteilnehmer hat die Chance die für sie oder ihn besten Geschäfte zu machen. Und alles, was drum herum passiert, ist transparent.

Jetzt haben wir nur noch eine “kleine” Herausforderung: Unser Ziel zu erreichen, dass das Thema Darlehen genauso “für alle” wird, wie das Thema Auktionen. Um dorthin zu kommen, stehen die smava Mitarbeiter jeden Morgen auf.

Und zum Schluss noch ein Wunsch von mir: Die Forderung nach Transparenz und Liquidität gilt übrigens nicht nur für eBay und smava: Ich habe mit betterplace.org eine Stiftung mitgegegründet, mit der wir den Marktplatz für Spenden bauen. Vielleicht spenden Sie einen Teil Ihrer smava Rendite an ein Projekt auf betterplace.org?

Vielen Dank!

Jörg Rheinboldt

eBay und smava - ein persönlicher Vergleich vom Mitgründer beider Portale Jörg Rheinboldt

Montag, 21. Juli 2008

Ich habe ein paar Grundüberzeugungen, die ich schon immer hatte und die immer gültig sind. Eine davon ist mein fester Glaube, dass man sein Schicksal immer selbst in die Hand nehmen sollte und zumeist auch kann.

Daher machen mir Gechäftsmodelle am meisten Spaß, bei denen es darum geht, Menschen in die Lage zu versetzen, genau das zu machen. Bei alando und eBay war es so, dass unsere Nutzer Zugang zu einem offenen Marktplatz für nahezu Alles haben und mit anderen Menschen oder auch Firmen handeln können. Da es bei eBay immer zuerst um die Artikel geht und erst dann um die Verkäufer, hat man die Chance mit dem eigenen Artikel mit jedem anderen Anbieter zu konkurrieren. Es geht nicht primär darum, wer man ist, bzw. welche Marke man ist, sondern darum, wie gut der Artikel beschrieben ist und wie Erfahrungen der Handelspartner sind, mit denen man schon Geschäfte gemacht hat. Über das Bewertungssystem kann man sich schnell einen Überblick verschaffen, mit wem man es zu tun hat. Diese neue (und eigentlich sehr alte) Art miteinander direkte Geschäfte zu machen, muss man im Internet erst neu lernen.

Ich erinnere mich noch gut an die vielen Gespräche und Interviews, in denen wir erklärten, dass Auktionen im Internet überhaupt nichts Elitäres sind und dass man - wie auch im “echten Leben” auch sein Gehirn mitbringen muss, um gute und nachhaltige Geschäfte zu machen. Ein Deal der zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es meistens auch. Inzwischen haben viele Menschen gelernt, wie man online gute Ware verkauft und findet, und welche persönlichen Anforderungen an die Artikel und Handelspartner bestehen. Ich persönlich kaufe zum Beispiel inzwischen viele Dinge global ein, wenn die Reputation meiner Handelspartner stimmt.

Bei smava sind wir an einem ähnlichen Punkt, wie bei eBay Anfang des Jahres 2000. Theoretisch ist schnell erklärt, wie man ein gutes Geschäft macht. Wir haben früher schon gescherzt, dass wir einfach nur 10 Minuten mit jedem unserer Nutzer Zeit haben müssten, um zu erklären, wie man kauft oder verkauft. Denn dann ist alles ganz logisch und konsistent.

Wenn man im Jahr 2000 über Auktionen gesprochen hat, kannten die meisten Menschen das Thema nur im Zusammenhang mit Kunst oder der Verwertung von Grundstücken oder Geschäftsausstattungen im Zusammenhang mit Insolvenzen. Im täglichen Leben hat das Thema kaum eine Rolle gespielt. Über die Zeit ist es - zumindest meinem Eindruck nach - so, dass das Thema Kaufen und Verkaufen im Internet eine andere Wahrnehmung in Deutschland hat und manchmal glaube ich sogar, dass sich das Verständnis von “Besitz” etwas verändert: Man kauft etwas nicht mehr, um es für immer zu Behalten. Es ist eher so, dass man sich denkt “Ich kann das Zelt nutzen und es dann einfach wieder verkaufen”. Das funktioniert deshalb, weil es einen funktionierenden, liquiden Marktplatz gibt, auf dem Angebot und Nachfrage zusammen treffen.

Wenn man heute über Kredite nachdenkt, ist das für die meisten Menschen ein Thema für die Banken. Auf der Nachfragerseite ist es ein unangenehmes aber manchmal notwendiges Thema und auf der Anbieterseite kommt kaum jemand in Deutschland auf die Idee zu sagen: “Ich habe gesehen, dass die Leute Darlehen aufnehmen und z.B. für ihren Dispositionskredit 14 Prozent Zinsen zahlen. Ich könnte auch mein Geld verleihen und wäre mit 8% Zinsen zufrieden.” Das war einer der ersten Gedanken, den wir hatten, als wir begannen, über smava nachzudenken. Wir fanden es unfair, dass es keinen freien Zugang zu den Finanzmärkten gibt, denn das Internet macht es möglich, Angebot und Nachfrage strukturiert aufeinander “treffen” zu lassen.

Natürlich ist Geld ein sensibles Thema und natürlich gibt es große Unterschiede, sich eine CD online zu kaufen oder sich zehntausend Euro über einen Kreditmarktplatz zu leihen, aber die grundsätzlichen Mechanismen sind ähnlich: Mit guten und zuverlässigen Informationen kann man gute Geschäfte machen. Die Transparenz und Qualität der Informationen sind neben der Marktplatzliquidität der zweite Erfolgsfaktor für einen erfolgreichen Markt. Nicht nur im Internet, sondern natürlich auch in der realen Welt.

Jörg Rheinboldt

Dieser Beitrag stammt aus der Feder des Mitgründers von eBay und smava: Jörg Rheinboldt. Nächsten Donnerstag erzählt er im smava-Blog, welche Überlegungen zur Entstehung von smava geführt haben.