Finanzkrise in Griechenland
Donnerstag, 6. Mai 2010Wir bei smava beschäftigen uns Tag für Tag mit Geldgeschäften und insofern ist es nicht verwunderlich, dass die gegenwärtige Finanzkrise in Griechenland bei uns im Team intensiv diskutiert wird. Wie ist der Sachverhalt?
Das Kredit-Hilfspaket für die Unterstützung des hoch verschuldeten Griechenlands wurde vor kurzem geschnürt. Der „Gesetzesentwurf zum Erhalt der Stabilität der Währungsunion“ besagt, dass Griechenland in den nächsten 3 Jahren insgesamt 110 Mrd. € von den Euro-Ländern und dem IWF bekommt. Dabei finanzieren die Euroländer gemeinsam 80 Mrd. Euro der Kreditsumme. Es sei alternativlos um die Stabilität des Euros und die Zukunft der Währungsgemeinschaft zu garantieren, so der offizielle Standpunkt der Regierung.
Als Gegenleistung verpflichtet sich Griechenland, das einen Schuldenberg von ungefähr 300 Mrd. € aufgetürmt hat, zu einem rigorosen Sparkurs, der die Neuverschuldung von 12 % des griechischen Bruttoinlandsproduktes auf die erlaubten 3% bis 2014 zurückfahren soll. Es ist z.B. geplant, dass die Nettolöhne um etwa 20% gekürzt werden. Als Reaktion darauf kam es bei Streiks in Griechenland zu den ersten Todesopfern. Ein Überspringen der Finanzkrise auf andere südeuropäische Länder scheint nicht ausgeschlossen. Kritiker meinen, dass sich Europa mit dem Rettungspaket nur Zeit kauft, bis der Kredit in etwa 2 Jahren aufgebraucht sein wird. Mehr Informationen dazu gibt es hier
Somit stellt der Kredit nicht die Rettung dar, sondern ist erst der Anfang der bisher größten Bewährungsprobe des Euroraums. Denn was passiert wenn Griechenland es trotz des Rettungspakets nicht schafft, seine Probleme in den Griff zu bekommen?
Die griechische Regierung scheint nicht die Macht zu haben, ein durch Vetternwirtschaft und Steuerhinterziehung geprägtes Land von Grund auf zu transformieren – vielleicht ist das auch grundsätzlich kaum möglich. Und selbst wenn die Griechen ihre Staatsausgaben reduzieren wie wie gefordert, wirkt sich das negativ auf die griechische Konjunktur aus. Dadurch sinken folgerichtig wieder die Steuereinnahmen. Der Euro verliert aufgrund der schlechten Aussichten an Wert und auch der deutsche Aktienindex reagiert.

Weiterreichende Wege aus der Krise sind gefragt. Beispielsweise scheint eine Harmonisierung der Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten notwendig, damit eine Staatsinsolvenz und damit das Scheitern der Gemeinschaftswährung verhindert werden kann. Wir sind gespannt, wie die weitere Entwicklung der Ereignisse sind und halten Sie auf dem Laufenden.
Viele Grüsse,
Ihr smava Team

