Aus dem Nähkästchen geplaudert
Dienstag, 5. August 2008Poweranleger Schnucki verrät im smava-Blog, welche Bietstrategie seinen Investitionen zu Grunde liegt und gibt Tipps für die Optimierung der Geldanlage:
Ich bin Anleger bei smava und schreibe über Bietstrategien für Anleger (”best practice”), basierend auf meiner eigenen Erfahrung.
Neuigkeiten:
Über neue Projekte erfahre ich durch den RSS Feed und per Mail über den Anlageassistenten. Letzterer schickt ein e-mail, wenn ein Projekt mit gewünschten Eigenschaften (Bonität, Zinssatz) entdeckt wird.
Zinswunsch:
Eine Geldanlage bei smava dauert 36 oder 60 Monate, jedoch erhält man nach der Hälfte der Zeit knapp die Hälfte des Kapitals zurück. Vergleichsbasis wären also Geldanlagen (Festgeld bzw. Sparbriefe) von 1 1/2 Jahren und 2 1/2 Jahren. Da es nur runde Zeiten gibt, kann auch der Durchschnitt von 1&2 bzw. 2&3 Jahren genommen werden. Ich selbst richte mich nach den Zinsen für Tagesgeld, was nicht ganz korrekt ist, aber dem Ideal trotzdem nahe kommt. Da smava ein höheres Risiko hat, strebe ich einen Zinssatz von 1% darüber an. Derzeit gibt es 4.5% bei der Norisbank und 4.75% bei der ICICI-Bank, bei 1-Jahresfestgeld gibt es sogar 5.3%. Um den gewünschten Nominalzinssatz pro Bonität zu erhalten, probiert man mit dem Renditerechner bis der gewünschte Zinssatz erreicht ist. Ggf. muss die eigene steuerliche Lage berücksichtigt werden, da unklar ist, ob Poolabzüge steuerlich geltend gemacht werden können.
Streuen:
Man sollte möglich nicht mehr als die Mindestanlage (250 Euro) pro Projekt einsetzen, um eine starke Streuung zu erreichen. So wird das Risiko auf viele Schultern verteilt.
Anzahl:
Aufgrund von zwei Ausfällen vermeide ich inzwischen, in Zweit-Projekte zu investieren, da es sich um eine Schuldenspirale handeln könnte. Grundsätzlich ist das Risiko bei jedem neuen Projekt höher.
Alter:
Junge Leute sind statistisch besonders oft leichtfertig verschuldet; Ältere sind zwar weise und zuverlässig, haben aber leider eine niedrigere Lebenserwartung. Ausnahmen sind möglich: wer mit 23 schon stellvertretender Filialleiter ist, der ist finanziell reifer, als jemand der mit 25 von zuhause auszieht.
Beschreibung:
Sie sollte möglichst umfassend sein, und nicht lediglich “Wohnung renovieren” oder „Dispo ausgleichen“. Eine umfassende Beschreibung zeigt, dass sich der Kreditnehmer mit dem Thema auseinandergesetzt hat.
Leistungsfähigkeit:
Die Wirtschaft kühlt sich ab, und manche Branchen werden darunter leiden, andere profitieren. Ein kleiner Transportunternehmer wird es schwer haben, gestiegene Sprit-Preise an seine Kunden weiterzugeben. Eine auf Arbeitsrecht spezialisierte Anwaltskanzlei wird dagegen viele Aufträge bekommen. Um allgemein informiert zu sein, lese ich deshalb täglich den Wirtschaftsteil von Welt Online
Bonität:
Manche Bonitäten haben sich besser entwickelt als von der SCHUFA prognostiziert, andere schlechter. Im 36er-Bereich ist die Zahlungsmoral bei den Bonitäten A, B und F derzeit etwas schlechter als erwartet, bei C, D, E, G und H ist sie jedoch deutlich besser als erwartet; die eigenen Zinswunschvorstellungen sollten also entsprechend angepasst werden, falls es in den Durchschnittszinsen nicht ohnehin schon geschehen ist.
KDF:
Ich habe bisher Projekte mit KDF 4 ignoriert, aufgrund der Annahme dass diese Projekte ein höheres Risiko bringen. Beim Analysieren der bisherigen Ausfälle für diesen Beitrag stellte sich allerdings heraus, dass KDF 4 bisher kein höheres Risiko war - im Gegenteil: Die Anzahl von Projekten mit KDF 3 und 4 sind in etwa gleich (siehe Wiseclerk), die Ausfälle bei KDF 3 (12) sind jedoch erstaunlicherweise derzeit drei mal so hoch wie die bei KDF 4 (4).
Zeitpunkt:
Sinnvollerweise bietet man nicht zu Beginn, sondern gegen Ende. Die Vorteile des Wartens:
- Der Kreditnehmer könnte einen noch höheren Zinssatz bieten
- Es könnte sich ein noch besseres Projekt finden
- Viele Mitanleger haben geboten, also das Projekt für gut befunden
- Das Projekt ist vielleicht im Forum diskutiert worden
Der Anlageassistent unterstützt dieses Verhalten: Man kann dort einstellen, dass man erst benachrichtigt wird, wenn 25, 50 oder 75% erreicht sind. Wenn ein “lukratives” Projekt jedoch nur einen kleinen Betrag benötigt (bis 3000 Euro), lohnt es sich nicht, zu warten, da sollte man gleich zuschlagen, da „gute“ Projekte oft sehr schnell „voll“ werden.
Selbstkritik:
Aus Ausfällen sollte man lernen. Wurden, rückwirkend betrachtet, Warnzeichen übersehen? Man sollte auch andere Kreditgeber beobachten, ggf. die eigene Strategie anpassen. Mein eigenes Portfolio zeigt, dass ich drei Ausfälle weniger hätte, wenn ich meine heutigen Ratschläge schon früher gekannt hätte.
Vorrat:
Es reicht normalerweise aus, 500 Euro vorzuhalten. Mehr ist nur notwendig, wenn man konkrete Projekte sieht.
Nerven:
Man sollte nicht unter „Investitionszwang“ stehen. Früher oder später finden sich wieder gute Projekte. Auch sollte man nach Mitteilung der Poolquoten nicht in Depressionen verfallen: ein Grossteil der Spätzahlungen werden im Laufe des Monats wieder ausgeglichen.
Gemeinschaft:
Es lohnt sich, im Forum mitzulesen, um zu sehen wie andere Anleger denken und handeln.
Das alles liest sich sehr lang. Meine Entscheidungsfindung für ein konkretes Projekt dauert jedoch nur ca. 2 Minuten: Steckbrief lesen, dann Klick auf das Profil für weitere Informationen, insbesondere ob es weitere Projekte gibt.
Viele Grüße
Schnucki

